"Der Gesundheitslotse für Dortmund"
Bluthochdruck
Bluthochdruck - Hintergrund
Rund jeder fünfte Erwachsene leidet unter zu hohem Blutdruck (arterielle Hypertonie). Obwohl die Krankheit bereits bei Kindern und Jugendlichen auftritt, ist sie besonders in den westlichen Industriegesellschaften eine mit dem Älterwerden assoziierte Gesundheitsstörung. Von den über 60-Jährigen ist knapp die Hälfte betroffen und scheint damit größtenteils einer zu lange praktizierten ungesunden Lebensweise mit falscher Ernährung, Stress, Alkoholund Nikotinkonsum sowie Bewegungsmangel Tribut zu zollen. Bluthochdruck gilt erwiesenermaßen als einer der wesentlichen Risikofaktoren für die Entstehung ernster Herz-Kreislauf-Erkrankungen und hat darüber hinaus eine massiv schädigende Wirkung auf die Nierenfunktion.

Was ist Blutdruck?

Blutdruck ist der Druck, mit dem das Herz das Blut durch die Gefäße pumpt. Sein Wert wird beeinflusst durch zwei Faktoren: die Herzleistung und die Weite der Blutgefäße. Die Herzleistung ist als „Herzminutenvolumen“, d.h. als diejenige Blutmenge messbar, die vom Herzen pro Minute bewegt wird. Die Gefäßweite bestimmt den peripheren Widerstand, den der Herzmuskel bei seiner Pumparbeit überwinden muss. Die Regulation beider Parameter des Blutdrucks ist ein komplexes Zusammenspiel, das hauptsächlich über das vegetative Nervensystem sowie hormonell gesteuert wird. Die Höhe des Blutdrucks schwankt je nach körperlicher Aktivität und verändert sich im Tagesverlauf (nachts erniedrigt, morgens erhöht). Auch psychische Faktoren haben einen großen Einfluss: Der sprichwörtliche „dicke Hals“ belegt die blutdrucksteigernden Effekte von Ärger, Anspannung und Hektik.
Bluthochdruck - Symptome / Diagnose
Ein dauerhaft zu hoher Blutdruck kann seinen ungünstigen Einfluss auf die Organe lange Zeit unbemerkt entfalten, denn er bewirkt abgesehen von leichteren, unspezifischen Symptomen wie Kopfschmerzen, Herzklopfen, Schwindel oder Nasenbluten, nahezu keinen subjektiven Leidensdruck und wird deshalb oft nicht rechtzeitig behandelt.

Blutdruckmessung
Zwei Werte, jeweils angegeben in der eigentlich veralteten Maßeinheit Millimeter Quecksilbersäule (mmHG) sind bei der Blutdruckmessung von Interesse: der systolische und der diastolische Blutdruck. Der erste, systolische Wert entspricht dem maximalen Druck, den das Blut während einer Kontraktion des Herzmuskels auf die Gefäßwände ausübt, die dabei gedehnt werden. Wenn der Herzmuskel wieder erschlafft, fällt der Druck langsam auf ein Minimum ab, das mit dem zweiten, dem diastolischen Wert beziffert wird. Gemessen wird normalerweise nach dem Riva-Rocci-Verfahren mittels Oberarmmanschette unter gleichzeitiger Kontrolle des Pulses. Als optimal gelten Messwerte um 120 mmHG sytolisch und 80 mmHG diastolisch. Blutdruckwerte oberhalb von 140 / 90 mmHG liegen bereits außerhalb des „grünen Bereichs“. Zwar sind sie nicht sofort ein Beleg für eine Hochdruckerkrankung, bedürfen aber dennoch zunächst weiterer und regelmäßiger Kontrolle. Bei älteren Personen kann der systolische Wert aufgrund der im Alter nachlassenden Elastizität der Gefäße auch leicht darüber liegen.
Generell entscheidender als der systolische Blutdruck, der je nach Aktivität, bedingt durch die Pumpleistung des Herzens, größeren Schwankungen unterliegen kann, ist der diastolische Wert: Er ist ein direktes Maß des Gefäßwiderstands bei abfließendem Blut und erlaubt somit Rückschlüsse auf gefährliche Ablagerungen in den Blutgefäßen. Bei diastolischen Blutdrükken oberhalb von 120 mmHG besteht eine maligne (bösartige) Hypertonie mit akuter Gefahr für die Gefäße von Herz, Nieren, Gehirn und Augen. Um zu verlässlichen Daten zu kommen, sind Messungen des Blutdrucks unter konstanten Bedingungen, also jeweils zur gleichen Tageszeit und im Liegen oder Sitzen, wiederholt durchzuführen. Auch eine Langzeitmessung, bei der ein über 24 Stunden zu tragendes Blutdruckmessgerät in gewissen Abständen die Blutdruckwerte aufzeichnet, kann in unklaren Fällen hilfreich sein. Bei Verdacht auf Bluthochdruck kann der behandelnde Arzt mittels EKG sowie einer Reihe bildgebender Verfahren den Zustand von Herz und Gefäßen prüfen. Auch Blut- und Urinuntersuchungen tragen zur Diagnoseabklärung bei.

Diagnose
Wird ein Bluthochdruck diagnostiziert, so liegt in 85 bis 90 Prozent der Fälle keine organische Ursache dafür vor. Für diese primäre oder essenzielle Hypertonie werden äußere Faktoren wie Stress, Nikotin und Alkohol, salz- oder fettreiche Kost sowie Übergewicht verantwortlich gemacht, die allesamt allein oder in Kombination auf Dauer eine blutdrucksteigernde Wirkung ausüben. Die übrigen 10 bis 15 Prozent der Betroffenen leiden unter einer sekundären Hypertonie, d.h. bei ihnen liegen organischen Ursachen des hohen Blutdrucks vor. Hier sind hauptsächlich hormonelle Störungen (endokrine Hypertonie) sowie Nierenerkrankungen (renale H.) zu nennen. Zu einem geringen Anteil ist Bluthochdruck auch erblich bedingt.

Fatale Folgen
Die Auswirkungen eines dauerhaft erhöhten Blutdrucks sind vielfältig, haben ihren gemeinsamen Ursprung aber grundsätzlich in einer direkten Schädigung der Blutgefäße. Durch den permanent hohen Druck in den Arterien steigt die Wahrscheinlichkeit, dass sich gefährliche Ablagerungen (Plaques) bilden. In einem langsamen, aber stetigen Prozess verkalken weite Bereiche der Gefäßwände (Arteriosklerose). Sie verlieren damit ihre Elastizität und die Fähigkeit, auf hohen Druck hin gefäßerweiternde Regulationsmechanismen in Gang zu setzen. Beides wirkt verstärkend auf den Blutdruck zurück. Der Herzmuskel muss ständig gegen den erhöhten Widerstand arbeiten. Im weiteren Verlauf verengen sich zunächst die kleinen Gefäße immer mehr oder verschließen sich gar. In den unterversorgten Arealen von Herz, Niere oder Gehirn kommt es zu schweren Gewebsschäden. Schließen sich größere Gefäße, sind koronare Herzkrankheit, Herzinfarkt und Schlaganfall die Folgen.
Bluthochdruck - Behandlungsmöglichkeiten

Ob, und wenn ja, welche antihypertensive Therapie angezeigt ist, richtet sich nicht nur nach der Höhe des Blutdrucks, sondern vielmehr nach dem kardiovaskulären Gesamtrisiko des jeweiligen Hochdruckpatienten. Der Arzt wird deshalb entsprechende Voroder Begleiterkrankungen wie Niereninsuffizienz oder Diabetes sowie deren Auftreten in der Familie genauso ins Kalkül ziehen wie Lebens- und Ernährungsgewohnheiten und eine Therapie daran individuell ausrichten. Deren Ziel ist es, durch nichtmedikamentöse und medikamentöse Maßnahmen einen Blutdruck von unter 140 / 90 mmHg, bei Diabetikern unter 130 / 80 mmHg zu erreichen.

Nichtmedikamentöse Behandlung
Allgemeinmaßnahmen zur Senkung eines hohen Blutdrucks stehen nicht nur zu Beginn der Erkrankung im Vordergrund des therapeutischen Ansatzes, sondern sind auch die Grundlage jeder medikamentösen Therapie. Dazu gehören

  • Normalisierung des Körpergewichts,
  • dynamisches Ausdauertraining (mindestens 3- mal pro Woche für mehr als 30 Minuten),
  • salzarme und mediterrane Kost,
  • Einstellen des Rauchens,
  • Reduktion des Alkoholkonsums,
  • Abbau von Stress.


Medikamentöse Behandlung
Bei Versagen der nichtmedikamentösen Maßnahmen sowie bei Patienten mit schwerer oder maligner Hypertonie oder mit hohem oder sehr hohem Risiko ist der Bluthochdruck mithilfe geeigneter Arzneimittel zu behandeln. Dazu stehen Vertreter verschiedener Substanzklassen zur Verfügung, die aufgrund ihrer jeweiligen Eigenschaften in der individuellen Situation des Patienten mehr oder weniger gut oder auch gar nicht geeignet sind. Diuretika, Betarezeptorenblocker, ACE-Hemmer, Angiotensin (AT)-2-Rezeptor- Antagonisten und Kalziumantagonisten gelten als Therapeutika der ersten Wahl. Betablocker senken die Frequenz (Puls) und Pumpleistung des Herzens und damit den Blutdruck, indem sie die stressinduzierte Adrenalinwirkung hemmen. Kalziumantagonisten senken den Gefäßmuskeltonus, wodurch sich die Blutgefäße erweitern und der Blutdruck fällt. Ansatzpunkte für ACE-Hemmer und die neueren, gut verträglichen AT-2-Rezeptor-Antagonisten sind die Hormone und Enzyme des Renin-Angiotensin-Aldosteron- Systems. Dieser Regelkreis steuert neben dem Blutdruck auch den Salz- und Wasserhaushalt des Körpers. Als Gegenspieler dieser Hormone setzen ACE-Hemmer und AT-2-Rezeptor-Antagonisten zum einen den Gefäßwiderstand herab, zum anderen unterdrücken sie die adrenalinvermittelten Effekte auf die Herzleistung und vermindern die zu transportierende Blutmenge. Letzteres erreichen auch Diuretika, die klassischen blutdrucksenkenden Präparate, indem sie die Nierenfunktion erhöhen und mehr Wasser und Salze ausgeschieden werden. Es kommen heute insbesondere Thiaziddiuretika zum Einsatz. Blutdrucksenkende Medikamente sollten gemäß einem Stufenschema eingesetzt werden, das sich am Schweregrad der Hypertonie, am individuellen Risiko des Patienten sowie am Therapieerfolg und dem Nebenwirkungsprofil der jeweiligen Substanz orientiert. Eine medikamentöse Therapie kann die arterielle Hypertonie grundsätzlich nicht heilen, sondern lediglich den Blutdruck auf günstigere Werte einstellen. Sie ist zumeist dauerhaft über Jahre, wenn nicht gar lebenslang, fortzusetzen.

Bei Bedarf nachbessern
Ein therapieresistenter Blutdruck kann auf eine ungeeignete Medikamentenauswahl oder aber auf Interaktionen mit anderen Arzneimitteln, Hormonen oder Drogen zurückzuführen sein. Meistens spielt aber eine unzureichende Einnahme der verordneten Medikamente durch den Patienten („compliance“) die entscheidende Rolle. Eine echte Resistenz gegenüber einer medikamentösen Therapie liegt nur in etwa zwei bis fünf Prozent der Fälle vor. Meistens handelt es sich dann um sekundäre Formen des Bluthochdrucks, die schwer zu behandeln sind.

Bluthochdruck - Nebenwirkungen / Komplikationen
Zu Beginn der Therapie können, obwohl keine zu niedrigen Blutdruckwerte vorliegen, Symptome wie Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Unwohlsein oder Schwindel auftreten, die sich innerhalb der ersten Wochen legen. Eine Unterbrechung der Therapie oder eine Dosisreduktion kann gefährlich sein, insbesondere bei der Verwendung von Substanzen mit kurzer Wirkdauer. Von ärztlicher Seite sollten in dieser Phase zu niedrige Blutdruckwerte bzw. eine zu niedrige Herzfrequenz ausgeschlossen werden.
Bluthochdruck - Prävention
Alle unter Punkt 2.1.1.3 zur nichtmedikamentösen Hypertoniebehandlung genannten Maßnahmen in Richtung eines gesunden Lebensstils lassen sich sehr wirkungsvoll bereits vorbeugend einsetzen. Und dies nicht nur zum Schutz vor Bluthochdruck, sondern auch zur Prävention von Diabetes und hohen Blutfettwerten sowie von Herzinfarkt und Schlaganfall als schwer wiegende Folgen von Gefäßerkrankungen.