"Der Gesundheitslotse für Dortmund"
Arthrose / Endoprothetik
Arthrose / Endoprothetik - Hintergrund
Als Arthrosen werden Gelenkerkrankungen bezeichnet, die durch eine großflächige Knorpelschädigung gekennzeichnet sind. Meist sind Knie- und Hüftgelenke betroffen, seltener Fußgelenke oder Gelenke an den oberen Extremitäten. Einmal aufgetreten handelt es sich um ein fortschreitendes (progredientes) Leiden. Die Gelenkflächen bestehen aus einer zwei bis acht mm dicken Knorpelschicht, die nicht durch Blutgefäße, sondern ausschließlich durch die von der Gelenkinnenhaut gebildete Gelenkflüssigkeit (Hyaloronsäure) versorgt und gleichzeitig geschmiert wird. Infolge eines Missverhältnisses zwischen Belastung und Belastbarkeit eines Gelenkes wird ein zerstörerischer Teufelskreis angestoßen, bei dem ein mechanischer Abrieb und ein biochemischer Selbstandauungsprozess zum Untergang der Knorpelzellen führen. Diese können sich nicht erneut bilden sondern bestenfalls durch minderwertigeren Bindegewebsknorpel ersetzt werden.

Welche Faktoren begünstigen eine Arthrose?
Neben dem normalen Verschleiß, der in der Regel erst im Alter zum Vorschein kommt, spielen für die Entstehung von Knorpelschäden noch andere Faktoren eine Rolle. Neben einer individuell unterschiedlichen Knorpelqualität hinsichtlich Belastbarkeit und Verschleiß sind hier vor allem angeborene (z.B. X-/O-Bein, Hüftdysplasie) oder verletzungsbedingte Fehlstellungen zu nennen. Übergewicht oder Krampfadern wirken sich ebenfalls negativ auf die Gelenke aus. Gleiches gilt für übermäßige Belastung, aber auch für mangelnde Bewegung. Nur wenn die Gelenke ausreichend bewegt werden, kann die Gelenkflüssigkeit die Stoffwechselendprodukte der Knorpelzellen abtransportieren und sich im Gegenzug mit neuen Nährstoffen anreichern.
Arthrose / Endoprothetik - Symptome / Diagnose
Typisch ist eine wechselnde Schmerzsymptomatik im betroffenen Gelenk. Die am häufigsten auftretende Schmerzform ist der Belastungsschmerz, gefolgt vom „Anlaufschmerz“, etwa beim Aufrichten aus der Sitzposition, und vom Ruheschmerz. Frühsymptome sind Beschwerden beim Bergab- oder Treppenheruntergehen sowie nach längeren Gehstrecken. Oft treten die Beschwerden auch nachts beim Herumdrehen im Bett auf; anfänglich nur zeitweise und meist als stechender oder dumpfer Schmerz, der allmählich in einen mehr oder minder starken Dauerschmerz übergeht. Vielfach wird über eine Schmerzverstärkung bei feucht-kalter Witterung geklagt.

Wie wird die Diagnose gestellt?
Viele Erkrankungen können Gelenkschmerzen verursachen. Um zu einer sicheren Diagnose zu kommen, sind in der Regel ein Röntgenbild, aber auch Laborbefunde, Ultraschalluntersuchungen oder bei ambulankomplizierteren Fragestellungen eine Kernspintomografie erforderlich. Die beste diagnostische Sicherheit bietet eine Gelenkspiegelung, die sich jedoch nur bei gleichzeitig bestehendem therapeutischen Handlungsbedarf (z.B. bei Meniskusschaden) empfiehlt.
Arthrose / Endoprothetik - Behandlungsmöglichkeiten
Im Vordergrund der Arthrosebehandlung sollte die physikalische Therapie stehen, also die Anwendung von Wärme, Kälte, Mechanik (Sporttherapie), Krankengymnastik, Ergotherapie und Massagen sowie Elektrotherapie. Da die Existenz der Knorpel von Bewegung abhängt, muss das wichtigste therapeutische Ziel stets darin bestehen, Beweglichkeit und Bewegung wieder möglich zu machen. Grundprinzip dabei ist Bewegen, ohne allzu sehr zu belasten. Ideal sind deshalb Sportarten wie Schwimmen oder Radfahren.

Medikamentöse Therapie
Medikamente (Salben, Tabletten oder Zäpfchen) sollten gezielt eingesetzt und dosiert werden, um weitgehende Schmerzfreiheit und damit Beweglichkeit wiederherzustellen. Wenn Schmerzfreiheit eingetreten ist, sind sie sofort abzusetzen. Keinesfalls sollten Schmerzmedikamente mit der Absicht eingenommen werden, große Gelenkbelastungen zu meistern. Als wichtigste Medikamentengruppe sind die nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR) zu nennen. Sie sind bei Arthrose sehr gut wirksam, weil sie im betroffenen Gewebe wirken und nicht erst im Gehirn. Sie müssen nicht gespritzt, sondern können auch in Tablettenform eingenommen werden. Da ihre Nebenwirkungen vornehmlich den Magen betreffen, ist Vorsicht geboten bei Menschen, die zu Magengeschwüren oder Magenschleimhautentzündungen neigen. Häufig kann man durch Einnahme von retardierten Formen, d. h. von Medikamentenzubereitungen, die den Wirkstoff allmählich und über einen langen Zeitraum konstant freisetzen, Nebenwirkungen vermeiden. Werden NSAR nicht vertragen, ist die Einnahme anderer, zentral wirksamer Schmerzmittel zu erwägen.
Sämtliche bisher entwickelten Knorpelschutz- und Aufbaupräparate blieben ihren Wirksamkeitsnachweis schuldig. Vielfach eingesetzt werden Entzündungshemmer (z.B. Diclofenac®), deren Wirkung im Allgemeinen aber relativ gering ist. Bei vielen Patienten rufen diese Medikamente zudem Magenbeschwerden hervor. In dem Fall können Ersatzpräparate auf pflanzlicher Basis (z.B. Wobenzym®, Phlogenzym®) helfen. Das stärkste entzündungshemmende Medikament ist Kortison. Es hat aber auch die gefährlichsten Nebenwirkungen. Vor allem schädigt Kortison auch den Gelenkknorpel und beschleunigt daher die Entwicklung der Arthrose. Es sollte daher nur ausnahmsweise in hoch akuten Fällen eingesetzt werden.

Wenn nichts mehr hilft - Operation?
Liegt der Arthrose eine Fehlstellung zugrunde, lässt sich durch rechtzeitige Umstellungsoperationen (Osteotomien) das Gelenk noch retten. Derartige Eingriffe werden sowohl an der Hüfte als auch am Kniegelenk durchgeführt. Im Rahmen von Kniespiegelungen werden meist so genannte „Gelenktoiletten“ vorgenommen. Ziel solcher Eingriffe ist es, Verklebungen zu lösen, ausgefranste Menisken zu begradigen und begrenzte Knorpeldefekte durch Reizbohrungen zu erneutem Wachstum anzuregen.

Ist die Arthrose jedoch weiter fortgeschritten, bleibt nur der endoprothetische Ersatz. Die Endoprothetik hat in den letzten Jahren einen weltweiten Siegeszug angetreten. Galt noch vor Jahren die Empfehlung, Prothesen erst bei über 65-Jährigen einzusetzen, so werden heute schon viele Menschen im Alter unter 50 Jahren mit Prothesen versorgt. Die Operationstechnik ist mittlerweile standardisiert und ausgereift, die Häufigkeit von Komplikationen gering. Wann der richtige Zeitpunkt zur Operation gekommen ist, sollte der Betroffene mit sich und seinem Arzt klären.

Für das Einsetzen einer Gelenkprothese ist ein Krankenhausaufenthalt von zwei Wochen Dauer zu veranschlagen. Anschließend ist in der Regel über drei bis fünf Wochen eine intensive physikalische Therapie erforderlich. Ob diese im Rahmen einer ambulanten, krankengymnastischen Behandlung, einer ambulanten Rehabilitationsmaßnahme oder eines Aufenthaltes in einer Rehabilitationsklinik erfolgen sollte, ist außer vom Alter und dem Befinden des Patienten auch abhängig davon, ob und welche Begleiterkrankungen vorliegen oder ob die häusliche Versorgung gewährleistet und wie weit der nächste Physiotherapeut entfernt ist. Häufig wird die Beeinträchtigung im Alltag unmittelbar nach dem Eingriff von den Betroffenen unterschätzt. In den meisten Fällen ist eine Hüftgelenksprothese erst sechs Wochen nach einer Operation voll belastbar.
Arthrose / Endoprothetik - Prävention
Um Knorpelschäden und die Entwicklung einer Arthrose zu verhindern, sind zwei Faktoren entscheidend: Bewegung und Gewichtsreduzierung. Werden Gelenke regelmäßig ausreichend bewegt, können Knorpelschäden heilen. Allerdings bildet sich nicht der ursprüngliche hyaline Knorpel, sondern ein Ersatzfaserknorpel, der weniger belastbar ist. Auch wenn eine Arthrose bereits eingetreten ist, sollte das Gelenk möglichst viel bewegt werden. Hierzu eignet sich besonders Radfahren in der Ebene oder ein Heimtrainer. Des Weiteren kommt jegliche Bewegung im Wasser in Betracht, wobei in letzter Zeit das Aqua-Jogging sehr populär geworden ist.

Ihr Gewicht zu reduzieren ist für die meisten Patienten am schwierigsten zu realisieren und bedarf einer hohen Willenskraft. Alle Krankenkassen haben heute Diätberatungsstellen, die dem Patienten helfen, mit einer sinnvollen Diät das Gewicht langsam zu normalisieren.