Neben kurzfristigen Erkrankungen wie Husten und Schnupfen ist Asthma (medizinisch: Asthma bronchiale) eine der häufigsten Erkrankungen des menschlichen Atemsystems. In Deutschland sind mit steigender Tendenz schätzungsweise vier bis fünf Prozent der Erwachsenen und sogar zehn Prozent der Kinder betroffen. Der Begriff Asthma (griechisch für „keuchen“) nimmt Bezug auf die bei einem Asthmaanfall typischen giemenden und pfeifenden Atemgeräusche. Es werden zwei Formen von Asthma unterschieden:
- exogenes oder allergisches Asthma (ausgelöst durch bestimmte äußere Reize, z.B. Hausstaub oder Pollenflug),
- intrinsisches oder nicht allergisches Asthma (ausgelöst durch verschiedene, nicht einheitliche Ursachen, z.B. Infekte, Kälte, Anstrengung).
An einer dieser Asthmaformen leiden jeweils etwa zehn Prozent aller Patienten, die restlichen 80 Prozent haben eine Mischform. Im Alter von über 45 Jahren überwiegt das Infektasthma, im Kindes- und Jugendalter das rein allergische Asthma, das in den letzten Jahren stetig an Häufigkeit zunimmt. Etwa 15 Prozent der Bevölkerung haben eine unspezifische bronchiale Überempfindlichkeit, welche irgendwann zu Asthma führen kann. Asthma wird in vier Schweregrade eingeteilt:
- intermittierende Form (Beschwerdephasen und längere beschwerdefreie Intervalle im Wechsel),
- geringgradig persistierende Form (Beschwerdephasen und kürzere beschwerdefreie Intervalle im Wechsel, wiederholte kurzfristige Atembeschwerden unter körperlicher Belastung),
- mittelgradig persistierende Form (Symptome treten häufiger als alle vier bis sechs Wochen auf, z.T. verbunden mit Aktivitätseinschränkung; normale oder reversible Lungenfunktion im symptomfreien Intervall),
- schwergradig persistierende Form (anhaltende Beschwerden, häufig nächtliche Asthmaattakken, starke Aktivitätseinschränkung, stets krankhafte Lungenfunktion)
Häufig findet sich bei Patienten mit Asthma bronchiale eine Veranlagung zu einem überempfindlichen (hyperreagiblen) Bronchialsystem. Diese Veranlagung ist zum Teil genetisch bedingt und wird an die Kinder vererbt. Sind beide Eltern Asthmatiker, entwickelt das Kind mit einer Wahrscheinlichkeit von 60 Prozent ebenfalls Asthma. Eine Reihe von Ursachen wird für die Überempfindlichkeit der Atemwege verantwortlich gemacht. Der Mechanismus ist jedoch noch nicht vollständig geklärt. Das exogene oder allergische Asthma wird häufig durch Substanzen wie z.B. Pollen, Hausstaubmilben oder Tierhaare ausgelöst. In diesen Fällen liegt eine Allergie gegen bestimmte Substanzen vor, die zu einer spezifischen Immunreaktion führt. Auch im beruflichen Umfeld können allergieauslösende Stoffe (Allergene) von Bedeutung sein. Besonderes Augenmerk gilt Berufen wie Bäcker, Maler und Lackierer, Schreiner oder Friseur. Diese Personengruppen werden tagtäglich mit Substanzen konfrontiert, welche teilweise hochgradig allergieauslösend sind (Holzstaub, Mehl, Farben etc.). Beim endogenen bzw. intrinsischen Asthma sind die Ursachen nicht genau bekannt. Es tritt gehäuft auf bei Einnahme bestimmter Medikamente (z.B. Acetylsalicylsäure oder Betablocker), beim Einatmen bestimmter Substanzen (Tabakrauch, Schmutzpartikel in der Luft, Arbeitsstoffe), bei viralen Infektionen und bei körperlicher Belastung, vor allem in Kombination mit feuchter, kalter Luft (Belastungsasthma). Hinzu kommen psychische Faktoren.
Unter Asthma leiden häufig auch Kinder
Erstmals zeigt sich die Krankheit häufig im Alter von zwei bis vier Jahren, wenn die Kinder unter wiederkehrenden Infektionen leiden. Aber auch manche Säuglinge müssen bereits gegen die quälende Atemnot ankämpfen. Die betroffenen Kinder leiden meist an allergischem Asthma, das zu einer chronischen Entzündung im Bereich der Atemwege führt. Deshalb ist eine konsequente Suche nach dem Allergen sinnvoll. Ist es bekannt, sollte es soweit wie möglich gemieden werden (Allergenkarenz). Kinder müssen sich gut mit der Krankheit und ihrer Behandlung auskennen und akzeptieren lernen, dass bestimmte Dinge für sie gefährlich sind. Eine professionelle Asthmaschulung nach modernen Grundsätzen ist unerlässlich. Wichtigster Grundsatz ist, die Kinder zu schulen, ohne ihnen Angst zu machen. Aber auch die Eltern dürfen keine Angst haben und müssen gut informiert sein, damit sie ihrem Kind bei einem Anfall hilfreich zu Seite stehen können. Bei schwerem Asthma werden Kinder mit den gleichen Medikamenten behandelt wie Erwachsene. Die Asthmatherapie ist so einfach und effektiv wie möglich zu gestalten. Je nach Alter des Kindes wird statt der Inhalation ein elektrischer Düsenvernebler eingesetzt. Solche Geräte sind allerdings recht unpraktisch, schlecht zu transportieren und von einer Stromquelle abhängig. Zudem müssen die Kinder relativ viel Zeit für die Arzneimitteleinnahme aufwenden. Trotz dieser Schwierigkeiten sollten die erforderlichen Medikamente aber regelmäßig eingenommen werden, um die Kinder bestmöglich vor Anfällen zu schützen und vor allem ihren Schlaf zu sichern. Denn zusätzlich zu den quälenden Hustenattacken und Atemnotanfällen führt Schlafmangel oft zu Leistungseinbrüchen während des Tages – Schulprobleme können die Folge sein. Etwa ein Drittel der asthmakranken Kinder kann durch eine lang andauernde konsequente Behandlung im Erwachsenenalter als geheilt gelten.




